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CLUB ALPHA 60 e.V.

Ein öffentliches Ärgernis wird 60

Freitag, 6. November 2026
Kino

Zum Jubiläum zeigt das Kino im Schafstall die beiden Club-Dokus

„Ein öffentliches Ärgernis“ (1970) und
„Diskuss 7“ (1974)


In beiden Filmen geht es um den club alpha 60, der dieses Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert. Die ARD berichtete zweimal ausführlich über den club alpha 60 im Rahmen ihres Jugendprogramms. Im Oktober 1970 mit einem zwanzigminütigen Film in der Reihe „Clubs in Deutschland“ und im Februar 1974 im Samstag-Nachmittag-Programm in einer 90-minütigen Sendung in der Reihe „Diskuss“.

Mit den Sendungen beschäftigte man sich in alpha press
im November 1970 und im März 1974:

„Es ist zu arg nach links“
HALLER BÜRGER ÜBER DEN CLUB ALPHA 60

Nun flimmerte es über den Bildschirm in alle deutschen Haushalte, das Problem „club alpha 60“. Die Sendung des Deutschen Fernsehens, die am zweiten Oktober im Nachmittagsprogramm ausgestrahlt wurde, wollte hauptsächlich unsere politische Entwicklung und Zielsetzung deutlich machen. Aber besonders für viele Haller, auch außerhalb des „alphas“, dürfte wohl am interessantesten gewesen sein, zu erfahren, was prominente Haller Bürger in Interviews über den „alpha“ zu sagen hatten. Da verschiedene Meinungen bisher in der Öffentlichkeit noch kaum jemals formuliert wurden, halten wir es für höchst wichtig, auszugsweise einige wörtliche Originalzitate aus dieser Sendung jenen zugänglich zu machen, die zur Zeit nicht vor dem Bildschirm saßen. Außerdem ausdrücklich muß betont werden, daß die hier wiedergegebenen Zitate keinesfalls die vollständigen Meinung der Interviewten wiedergeben können. Dazu sind zwanzig Minuten Sendezeit auch etwas zu wenig.

Herbert Schulz (Jugendreferent):
„Ich bin also der Meinung, daß der club alpha… sich in eine politische Einseitigkeit begibt.“

Schropp:
„Ich befürchte, daß der club alpha 60 sich zu sehr extrem nach links bewegt und näher und dichter am Kommunismus steht
und zwar nicht schlechtweg Kommunismus, sondern in eine ungeheuer kommunistisch Richtung, ich möchte sagen, Fidel-Castro-Prägung oder so ähnlich.“

„Ich weiß nicht, ob Club alpha 60, vor den Dingen, ob ich verantwortlichen die Sendung in ihrem politischen Engagement unbedingt ein gewisses Verständnis und eine nicht irgendeiner einen billigen Ablass nachmachen.“

Heinz Bischof (KJR):
„Politisch möchte ich vielleicht sagen, das ist meine eigene Meinung, auch teilweise die Meinung der Bevölkerung – es ist zu arg nach links.“

Dieter Klinke (Redakteur des HT):
„Wir wenden uns dagegen, daß der Club mitunter durch provokative Veranstaltungen die Welt der Erwachsenen schockt.“

Walter Müller (Club alpha 60):
„Es wird uns ja immer vorgeworfen, wir sind einseitig. Ich glaube, wir haben noch nie den Anspruch erhoben, daß wir überparteilich sind. Die Leute verkraften einfach nicht, daß wir jung sind, daß wir eine eigene, andere Meinung haben. Die sagen, ihr müsst neutral sein, wie etwa die Volkshochschule. Sie sagen dann, wir sind einseitig, wir sind polemisch, aber… sie merken dabei garnicht, daß sie es, wenn sie uns nur kritisieren, selbst einseitig sind, und selbst noch viel polemischer!“

Oberbürgermeister Hartmann:
„Die Hauptsache scheint mir zu sein, daß man den jungen Leuten, die interessiert sind, erfahrene Männer, erfahrene Diskussionspartner zur Verfügung stellt.“
„Und vor allem muß man von Seiten der älteren Generation her bei den Diskussionen mitwirken, so daß die Jugend nicht sich selbst überlassen bleibt.“


Herbert Schulz (Jugendreferent):
„… für mich ist es im Moment … eher diskutabel, wie man vielleicht innerhalb der Elternschaft das Bild eines Club alpha den Eltern gemäß entsprechend auch aufwerten könnte.“

Heller (VHS)
„Ich hoffe, daß sie hier wieder zu einer gewissen Mäßigung zurückfinden, denn sie verscherzen sich dabei sicher Möglichkeiten.“

Dieter Klinke (HT)
„Da es sich bei den tonangebenden Mitgliedern im Club alpha 60 mehr oder weniger um eine Minderheit in Schwäbisch Hall handelt, was die politische Richtung angeht, werden wir selbstverständlich zunächst objektiv weiter berichten. Wir werden natürlich nicht versprechen können, daß wir nicht uns selbst auch in Kommentaren, in Glossen zu der Club-Arbeit äußern werden. Wir haben das bis jetzt nicht gemacht, um eben den Club nicht überzubewerten. Aber in Zukunft werden wir wahrscheinlich, wenn verstärkt eben besonders linksgerichtete Strömungen in Schwäbisch Hall sich aurchsetzen durch den Club, und damit eben die Arbeit anderer beeinträchtigt wird, werden wir – – selbstverständlich auch darüber objektiv berichten.“

Daß vielen Hallern das kritische politische Engagement des Clubs äußerst mißliebig ist, war bekannt, oder zu erwarten.
Erschreckend ist nur das Niveau dieser Fernseh-Kritiken:
Herrn Schorpps Statement von der „Fidel-Castro- Prägung‘ soll bei mehreren Club-Mitgliedern schwere Bauchfellerschütterungen hervorgerufen haben, und es ist eine schon zu ausgeleierte Tour, alpha-Mitgliedern eigenes politisches Denken abzusprechen, sie quasi zu Weisungsempfängern Pankows zu degradieren, wenn er behauptet, sie würden „irgendwoher einen billigen Abklatsch nachahmen!“

Mit besonderer Rührung konnten viele interessierte junge Leute jedoch bemerken, welche Rezepte man entwickelt, um die ungezogenen Söhne wieder auf den tugendsamen Pfad des Konformismus zurückzuführen.
Während anscheinend OB Hartmann in väterlicher Manie den unreifen Jüngelchen gestandene Autoritäten voranstellen, und Herr Schulz ein auf die ältere Generation zugeschneidertes alpha- Image hervorpolieren will, legt Herr Kalinke vom „HT‘ eine raffinierte journalistische Strategie dar, die man sich – mit entsprechender Betonung – einmal laut vorlesen sollte.

Rezept für einen „braven“ Jugendclub:

Viel Schwoof, viel Beat, ein bißchen Kultur (natürlich „richtige“ Filme – wie „Dick & Doof‘-Filme). Auf keinen Fall Politik.
Wenn schon je derart abstruse Gedanken aufkeimen sollten, läßt man sich vom Stadtvater eine Handvoll „erfahrene Dis-kussionspartner“ schicken, die einem sagen, was man zu denken hat und daß alles einer „gewissen Mäßigung“ bedarf.

Um Walter Müller zu präzisieren:
Die Meinungsmacher stehen rechts!


Der Mitbegründer des Stuttgarter Theaterhauses und der Manufaktur Schorndorf, der Regisseur der beiden Filme, Werner Schretzmeier, wird an diesem Abend zum Filmgespräch anwesend sein.

Foto: Hans Kumpf

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